Zweimassenschwungrad prüfen, Symptome erkennen und wechseln
Was ist ein Zweimassenschwungrad und wie funktioniert es?
Ein Zweimassenschwungrad (ZMS) entkoppelt Motor und Getriebe schwingungstechnisch. Es besteht aus zwei gegeneinander verdrehbaren Schwungmassen, die über ein Feder-/Dämpfungssystem verbunden sind. Dadurch werden die Drehschwingungen des Motors gedämpft, das Getriebe vor Lastwechselschlägen geschützt und ein ruhiger, komfortabler Lauf schon bei niedrigen Drehzahlen ermöglicht.
Das Zweimassenschwungrad (ZMS) nimmt die Drehschwingungen mit dessen integrierten Feder- und Dämpfungssystem auf und absorbiert diese nahezu vollständig. Dies resultiert in eine exzellente Isolation der Schwingungen.
Ein herkömmliches SACHS Zweimassenschwungrad besteht aus einer Primär- und einer Sekundärschwungscheibe. Diese beiden entkoppelten Schwungmassen sind über das Feder-/Dämpfungssystem verbunden und über ein Gleit- oder Rillenlager gegeneinander verdrehbar gelagert. So werden die vom Motor erzeugten Drehschwingungen weitgehend vom restlichen Antriebsstrang abgekoppelt und resultiert in einem deutlich besseren Geräusch- und Fahrkomfort.
Wird ein Schaden beim Zweimassenschwungrad, vermutet, beginnt die Fehlersuche. Falls die Diagnosemöglichkeiten beim eingebauten Zweimassenschwungrad nicht ausreichend sein, so lässt sich das ZMS auch mechanisch oder optisch prüfen.
Wenn das Schwungrad ausgebaut ist, kann es von der Werkstatt mit einfachen Mitteln geprüft werden.
Eventuelle Schäden können sowohl von einer defekten Kupplung als auch vom Motor ausgehen.
Zweimassenschwungrad prüfen: so testen Sie das ZMS
Ein Zweimassenschwungrad wird im ausgebauten Zustand über den Verdrehwinkel (Freiwinkel) und das Kippspiel geprüft. Dafür wird die Sekundärmasse gegen die Primärmasse verdreht bzw. gekippt und mit einem ZMS-Prüfwerkzeug gegen die fahrzeugspezifischen Grenzwerte gemessen. Austretendes Fett oder Verfärbungen sind zusätzliche Hinweise auf Verschleiß.
Zweimassenschwungrad Sichtprüfung

Schauen Sie sich bei der Sichtprüfung das Schwungrad genau an. Sollten Sie verfärbte Stellen auf der Reibfläche des Sekundärschwungrads erkennen (siehe Pfeil A), so ist dies ein klares Anzeigen auf ein überhitztes oder überlastetes ZMS. Dieses Phänomen tritt bspw. auf, wenn Sie die Kupplung zu lange schleifen lassen. Zudem besteht die Gefahr, dass bei wiederholt auftretenden Überhitzungen das Spezialfett innerhalb des Schwungrads verhärten kann. Dies kann zu einem Totalausfall führen.
Sollten Sie sichtbare Rissen auf der Reibfläche vorfinden (Pfeil B), so muss das Schwungrad gewechselt werden. Anderenfalls besteht Berstgefahr, was zu weiteren Schäden innerhalb des Antriebsstrangs führen kann. Bei einem Verschleiß des ZMS-Axiallagers weisen gelbliche Verfärbungen im Bereich unterhalb der Reibfläche (Pfeil C) darauf hin, zudem ist dies i.d.R. auch im Fahrbetrieb hörbar. In diesem Fall muss das ZMS ebenfalls erneuert werden.
Schwungrad-Mechanik Test

Im Rahmen eines Kupplungswechsels ist das ZMS unbedingt zu überprüfen, da ein verschlissenes oder schadhaftes Schwungrad zur Zerstörung Ihrer neuen Kupplung führen kann.
Eine mechanische ZMS-Prüfung ist der Test des Verdreh-/Leerspiels. Der Leerweg sollte nicht mehr als sechs Zähne des Anlasserkranzes betragen. Sofern Sie hier deutlich Abweichungen erkennen sollten, so deutet dies auf einen mechanischen Schäden Ihres Schwungrads hin. Prüfen Sie das Spiel nur mit Handkraft, keinesfalls mit Hebel oder Schraubendreher.
Schwungrad Radialspiel prüfen

Mit einer Messuhr können Sie das Radialspiel prüfen. Montieren Sie den Messuhrhalter am Motorblock. Verwenden Sie die Getriebeschraube (und ggf. Buchse) analog zum Blockierwerkzeug.
Bewegen Sie zur Messung das Sekundärschwungrad mit einer Kraft von etwa 100Nm radial zum Primärschwungrad. Wiederholen Sie die Messung an drei Stellen, jeweils im Winkelabstand von 120°.
Sofern der Durchschnittswert von 0,25mm überschritten werden sollte, so muss das Schwungrad ausgetauscht werden.
Schwungrad Hebel-/Beweglichkeitsprüfung

Für die Hebel- oder Beweglichkeitsprüfung ist das Primärschwungrad in einem Schraubstock zu fixieren – mit zwei Schrauben durch die Bohrungen für die Kurbelwellenbefestigung. Anschließend gilt es, einen Prüfhebel an die Bohrungen für die Kupplungsbefestigung zu schrauben. Wird das Sekundärrad ausgehend von der entspannten Position bis zum linken und rechten Maximalanschlag gedreht, sollten die erreichten Winkel und der gefühlte Kraftaufwand in beiden Richtungen identisch sein. Zudem dürfen dabei keine außergewöhnlichen Bewegungswiderstände auftreten.
Werden diese Kriterien nicht erfüllt, deutet das auf defekte oder gebrochene Bauteile im Inneren des ZMS hin. Diese können das Gehäuse durchschleifen, so dass Fett austritt. Erreicht man den vollen Verdrehwinkel von rund 60 Grad pro Seite nicht, kommt auch eine Fettverhärtung durch thermische Überlastung in Frage – oft ist diese an Verfärbungen erkennbar. In diesen Fällen ist das ZMS zu ersetzen.
Zweimassenschwungrad defekt: die häufigsten Symptome
Ein defektes Zweimassenschwungrad (ZMS) macht sich meist deutlich bemerkbar. Typische Anzeichen sind ein Rasseln oder Klappern im Leerlauf, Vibrationen beim Anfahren und Schalten sowie ein metallisches Geräusch beim Abstellen des Motors. Da Schwungrad und Kupplung gemeinsam verschleißen, sollten beide Teile im Satz getauscht werden. SACHS fertigt Zweimassenschwungräder in Erstausrüsterqualität von ZF, passgenau für zahlreiche Fahrzeuge. SACHS Schwungräder im Shop
Was kostet ein neues Zweimassenschwungrad?
Die Kosten hängen vom Fahrzeug ab. Da für den Wechsel das Getriebe ausgebaut werden muss, wird das Zweimassenschwungrad in der Regel gemeinsam mit der Kupplung getauscht. Es lohnt sich daher, beide Bauteile zusammen zu erneuern und so den Arbeitsaufwand nur einmal zu bezahlen.
Zweimassenschwungrad wechseln – am besten mit der Kupplung
Weil der Ausbauaufwand identisch ist, empfiehlt sich der gemeinsame Wechsel von Zweimassenschwungrad und Kupplung. SACHS Performance bietet passende Kupplungssätze mit Zweimassenschwungrad, die exakt aufeinander abgestimmt sind.
Einmassenschwungrad oder Zweimassenschwungrad?
Ein Einmassenschwungrad ist eine starre, robuste Masse und wird oft im Sport- und Tuning-Bereich eingesetzt, bringt aber ein härteres Fahrverhalten mit mehr Vibrationen. Das Zweimassenschwungrad ist auf Komfort ausgelegt. SACHS Performance bietet Lösungen für beide Anforderungen.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich ein defektes Zweimassenschwungrad?
An Rasseln oder Klappern im Leerlauf, Geräuschen beim Starten und Abstellen des Motors, Vibrationen sowie Ruckeln beim Anfahren. Sicherheit bringt eine Prüfung von Verdrehwinkel und Kippspiel im ausgebauten Zustand.
Kann man ein Zweimassenschwungrad reparieren?
Nein. Ein Zweimassenschwungrad ist eine geschlossene Einheit und wird bei Verschleiß komplett ersetzt, nicht repariert.
Muss beim Wechsel des ZMS auch die Kupplung getauscht werden?
Es wird dringend empfohlen. Da das Getriebe für beide Arbeiten ausgebaut werden muss, spart der gemeinsame Wechsel von Zweimassenschwungrad und Kupplung Arbeitskosten und ist technisch sinnvoll.
Wie lange hält ein Zweimassenschwungrad?
Ein Zweimassenschwungrad ist ein Verschleißteil. Die Lebensdauer hängt stark von Fahrweise und Belastung ab; häufig hält es weit über 150.000 Kilometer.
Was ist der Unterschied zwischen Ein- und Zweimassenschwungrad?
Das Einmassenschwungrad ist starr, robust und sportlich, aber weniger komfortabel. Das Zweimassenschwungrad dämpft Schwingungen und sorgt für einen ruhigeren, komfortableren Lauf.